Das Netz...

Samstag, 8. Oktober 2011

Steve Jobs ist tot.

Es ist viel geschrieben worden über Steve Jobs, und je mehr ich lese, desto weniger weiß ich wirklich über ihn. Schön auch die Artikel von Spiegel und Co., die sich kritisch gaben – auf SPON war komischerweise andererseits in fast jeder Rubrik ein eigener Artikel...

Er hat die Welt ein Stück weit digitaler gemacht – als kreativer, visionärer Despot mit einem Gespür für Usability, Design und Bedürfnisse. So jemand ist selten, zumal einer, der es geschafft hat, dabei nicht beliebig und satt zu werden. Die wesentliche Leistung scheint mir indes, dass er und sein Team ganze Infrastrukturen geschaffen haben, um Märkte zu revolutionieren: MP3-Player gab es vor dem iPod – aber mit viel Technik-Fummelei, ungeeignet für die Masse. Mr. Jobs: im TV-Bereich wäre noch viel zu tun! Übrigens hat Amazon das gelernt und versucht sich in ähnlicher Aufstellung.

Wenn ich die Nachrufe lese, bleibt bei mir noch ein anderer Eindruck zurück: durch die Digitalisierung der Welt sind die gefühlten Entfernungen kürzer geworden – nicht zuletzt dank Twitter und Facebook (keine Apple-Erfindungen, allerdings). So wie man damals per Fernsehen der Hochzeit von Lady Di und Charles folgte und erwachsene Leute in Tränen ausbrachen – obwohl sie weder Briten waren noch sonstwie bekannt mit dem Brautpaar, so glaube ich heute, „den Steve“ ja zu kennen, schließlich ist er dauernd in den (elektronischen) Medien und mir quasi nahe. Das ist natürlich Quatsch – was für eine Verbindung habe ich als Durchschnittsdeutscher wirklich zu einem manischen Milliardär, der in seiner Jugend Hippie war und in Kalifornien lebte? Keine.
Zu allen Zeiten suchen sich Menschen Vorbilder – man denke nur an Boris oder den Kaiser Beckenbauer. Das lässt das eigene mickrige Dasein dann in den Hintergrund treten, wenn man sich eine Katherina und einen Wilhelm in einer Kutsche beklatschen kann? Leute, die nicht mal ihre näheren oder entfernteren Verwandten kennen, verbringen Stunden mit News zu (Paris Hilton, Rihanna, Thomas Gottschalk)?

Dieses soziale Grundmuster hat sich im globalen Dorf fortgesetzt. Steve Jobs hat sich selbst als Marke inszeniert wie kaum ein anderer – ich glaube nicht, dass anfänglich ein Masterplan dahintersteckte, er hat die Welle nur weitergesurft: die orakelhaften,  sporadischen Mail-Antworten von sjobs@apple.com waren nur ein einfacher, kleiner Schritte dahin.
Interessanterweise hat Apple vor allem den Freizeitbereich umgekrempelt – auf das Business springen die Funken durchaus über, ohne Smartphone möchte ich heute sicher nicht mehr Bahn fahren! Ohne Apple und iPod wäre mein Leben aber nicht wirklich schlechter, oder? Für Firmen hingegen ist noch viel zu tun, da hat Apple oft keine Antworten: ob 100 Leute wirklich einzeln Lion herunterladen sollen?

Man kann nur sagen: es fehlen viele Visionäre, die weitere Technik-Bereiche umstellen. Steve Jobs war offensichtlich einer der wenigen, die uns aus der digitalen Steinzeit herausgeführt haben.

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